Ist unser Ziel nur noch die „Arterhaltung“?

In den letzten Tagen diskutierten wir zugegeben provokativ eine Frage ausgiebig und kontrovers… Was ist eigentlich mit uns als Gesellschaft los?

 

Gefühlt gibt es bei allem Wohlstand immer weniger Selbstverantwortung, Entscheidungsklarheit und Konsequenz

in Bezug auf uns selbst.

Stattdessen Hypersensibilität in der Bewertung des Verhaltens von anderen und Unzufriedenheit mit dem „System“! 

 

So gingen wir auf die Ursachenforschung. Liegt es an unserer Wahrnehmung oder hat sich wirklich etwas verändert? Woher rührt dieses verbreitete Verhalten? Um uns dieser Problematik anzunähern sprachen wir mit nahestehenden Partner*innen und Kund*innen über diese Situation und über eventuelle Folgen für Unternehmen und Beschäftigte, wenn dieses Verhalten sich weiter manifestiert.

 

Dabei wurden Drei verschiedene Perspektiven diskutiert.

Ich: Die beschriebene Entscheidungsunfähigkeit bzw. Klarheit resultiert häufig daraus nicht messbar sein zu wollen. Mitarbeiter*innen wie auch unser privates Umfeld spiegelten uns über die letzten Monate wieder, sich geringere Erwartungen im Arbeitskontext zu wünschen (um keine Enttäuschung zu erleben, falls man den Erwartungen nicht gerecht wird). Im Gegenzug aber ein höheres Sicherheitsbedürfnis zu verspüren, dem sich Umfeld und Arbeitgeber widmen dürfen.

 

Bedeute also, die Menschen wünschen sich mehr Sicherheit und gleichzeitig eine geringere Erwartungshaltung an das eigene Leistungsvermögen (im WIE und WAS). Auf die Gegenfrage, wie dieses Umgleichgewicht über den noch undefinierten Zeitraum an das Gegenüber zurückwertgeschätzt wird, wurden die Gesprächspartner*innen eher ruhig bzw. unkonkret (verständlich, wenn man sich lieber nicht messen lassen möchte). Das Gallup-Institut bestätigt diese Arbeitssituation in Deutschland ebenfalls im Gallup Engagement Index.1

 

nahes Umfeld: Anders sah es aus, wenn die Gesprächspartner*innen äußerten, was das nahe Umfeld bitte für einen tun möge. Hier waren die Vorstellungen sehr klar und eine starke Feinfühligkeit zu spüren. Es ging um klare Erwartungen bzgl. der Zuwendungen, des Grades an Authentizität, Einstellung, Wertschätzung und Kommunikation. Was sorgt dafür, dass hier mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen wird? War das schon immer so? Für die Generation Z gibt es ja bereits viele Quellen die das „You only live once“ Motto dieser Generation beschreiben.2 Shell Jugendstudie (2019),  3 Spiegelartikel „Yolo, Alter“ (2012) Überträgt sich dieses Weltbild nun auch auf die anderen Generationen? Deutlich wird auf jeden Fall: Wir schauen sehr viel kritischer auf das „Außen“ als auf uns selbst. 

 

Gesellschaft: Die dritte Dimension betrachtet, was von Unternehmen, Politik und Staat erwartet wird. Hier stellt sich das Bild noch differenzierter dar. Unsere Gesprächspartner*innen spiegelten uns zurück, dass das vielfach erwünschte und dringend benötigte Unternehmerdenken eines Angestellten weit weg von der Realität ist. Vielmehr ist es so, dass je weiter die persönliche Bindung zum Menschen oder zu Institutionen entfernt ist, desto geringer ist auch die Intrinsik, eine Extrameile für das Ziel zu gehen. Nur wie können wir die Motivation zu konkreten Zielstellungen erreichen, wenn diese sogar im Innenverhältnis so gering geworden ist. Wolke 4 reicht gefühlt allen, wenn der Aufwand entsprechend gering ist. Getreu dem Motto:

"Ich muss nicht die schnellste Antilope sein! Um vom Löwen nicht gefressen zu werden, reicht es nicht die Langsamste zu sein."

Wo ist unser Antrieb, mal wieder weiter vorn zu sein und zu gestalten und nicht nur die "Art zu erhalten"?

Ein "Weiter so" ist keine Zukunftsoption

Was also, wenn die Wertestruktur immer mehr auf das Ego ausgerichtet wird? Ist das schon das Ergebnis der längst gestiegenen Veränderungsgeschwindigkeit und Informationsflut und Corona war einfach nur ein zusätzlicher Katalysator?! Unsere Diskussionspartner*innen und wir sehen jedenfalls ein „Weiter so“, das vielerorts gelebt wird, als brandgefährlich, weil ähnlich wie bei der Klimaherausforderung, der Tag X an dem die Rahmenbedingungen uns zwingen werden adhoc umzuschalten, nicht mehr aufzuschieben ist. Wir brauchen also einen dringenden Wechsel im Mindset von "Arterhaltung" und "Es ist noch immer alles gut gegangen" hinzu "Gestaltungswille und Innovationskraft". Weniger "Was kann ich bekommen?" und mehr "Wie kann ich helfen/ Wodurch kann ich wirken?"

 

Schauen wir mal nach vorn und beschäftigen wir uns mit Lösungsoptionen ohne Garantie auf Erfolg, aber zumindest mit der Chance darauf:

 

WAS könnten wir tun? 

Wir dürfen mal wieder eine ernst gemeinte Vision haben. Nicht nur für das Marketing. Etwas für das sich konkrete Ziele als Meilensteine lohnen und „hinzu“ motivieren. Etwas das Identifikation und Emotionen auslöst. Vertrauen in Wertschätzung! Für alle Stakeholder! Diese Werte transparent kommuniziert, lösen Pareto auch einen Spiegelungseffekt aus. Dafür wäre Bereitschaft zur Veränderung aus unserer Sicht möglich!

 

WIE könnten wir das tun? 

Try and Learn ist hier unser Beleave! Ebenfalls als klar kommunizierten Weg zur Vision! Entscheidend ist der MUT zum Handeln!

(1) Gallup Engagement Index (2020): https://www.gallup.com/de/engagement-index-deutschland.aspx

(2) Shellstudie (2019): https://www.shell.de/ueber-uns/shell-jugendstudie.html

(3) Spiegel (2012): Jugendsprache: Yolo, Alter. Online verfügbar unter: http://www.spiegel.de/schulspiegel/jugendwort-des-jahres-2012-jury-kuert-yolo-a-869201.html [07.07.2014]

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